BetriebsführungAktionstag "Nachfolge" mit Schwerpunkt Matching
Am 26. März fand der Aktionstag zum Thema "Nachfolge" bereits zum fünften Mal statt. Das Beratungsteam der Kammer diskutierte mit Handwerkerinnen und Handwerkern und gab viele Tipps und Hilfen. Elektrotechnikermeister Christian vom Dorff berichtete von seiner Übergabe-Erfahrung.

v.l.: Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der HWK Düsseldorf, Abteilungsleiterin Kristina Pelz, Betriebsberater André Maaß, Elektrotechnikermeister Christian vom Dorff, Betriebsberater Kai Hambüchen und Nachfolgelotsin Rebecca Haag
Eröffnung mit klarer Botschaft: Was kommt nach dem Unternehmertum?
„Start-ups sind in aller Munde. Aber es wird nur wenig gesprochen über das Thema: 'Wie gehe ich am Ende meiner Zeit als Unternehmer raus aus meinem Betrieb?'“, setzte Axel Fuhrmann in seiner Begrüßung einen Reizpunkt. Der Verwaltungschef der Kammer holte damit nicht wenige der rund 150 Handwerkerinnen und Handwerker zum Schwerpunktaspekt „Matching“ auch emotional ab, wie der spätere lebhafte Verlauf der Diskussion mit den Spezialisten für Firmenübernahme aus dem Team der Betriebsberatung der Handwerkskammer zeigte.
Frühzeitige Beratung als Schlüssel
Klar ist: Die bei einer Nachfolger- oder Firmensuche zu bedenkenden Aspekte und Schrittfolgen sind für die jeweiligen Inhaber und Interessenten an einer Übernahme generell so komplex, dass die Leiterin der Serviceabteilung, Kristina Pelz, bündig empfahl: „Kommen Sie so früh wie möglich zu uns!“ Eine Inanspruchnahme der Kammerexpertise sei sowohl bei familieninternen Betriebsfortsetzungen (36 % aller Nachfolgen im Handwerk) ratsam als auch bei der Heranführung einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters an die Aufgabe der Unternehmensleitung (12 % der Fälle) – und erst recht, wenn Betriebsfremde für eine Weiterführung gesucht werden, wie Karrierescout Rebecca Haag betonte.
Matching ist entscheidender Erfolgsfaktor
„Es geht immer um eine Objektivierung aller Interessen und Faktoren der Wertermittlung“, so Betriebsberater Kai Hambüchen. Diese gelinge umso leichter, je besser Übernahmewillige und abgebende Inhaber zusammenpassten, machte Nachfolgelotsin Haag klar. Für eine erfolgreiche Suche nach geeigneten Personen sei für beide Seiten zunächst wichtig, sich in den jeweiligen Netzwerken umzusehen. Bei der Sondierung geeigneter Kandidaten, ob im eigenen Branchenumfeld oder auch mittels der Unternehmensbörse Nexxt – Change, helfe die Kammer bei der Definition triftiger Auswahl-Kriterien.
Notwendige Schritte: Qualifikationen und Business-Plan
Auf der Agenda einer Nachfolgeplanung sollte früh bereits eine Klärung der für eine selbstständige Unternehmensführung in der betreffenden Branche benötigten qualifikatorischen Voraussetzungen stehen – und dann die Ausarbeitung eines Businessplans mit einer Rentabilitätsvorschau. Dieser sei „unabdingbar bei Kreditbedarf, aber auch für die gründliche Reflektion des eigenen Vorhabens,“ so die Beratungsspezialistin. Die im Übrigen auf das Kammer-Angebot einer speziellen „Nachfolge-Akademie“ im September (9.9. bis 30.9.) hinwies: Dort können in Einzelworkshops alle relevanten Anforderungen an die Betriebsführung als Übernehmer von der Planung von organisatorischen Prozessen über das Marketing bis hin zum Employer-Branding und -Recruitment einstudiert werden.
Wirtschaftliche Tragfähigkeit im Fokus
Unter Wirtschaftlichkeitsaspekten müsse ein unternehmerisches Wagnis unterm Strich mindestens so rentabel sein wie ein Engagement auf den Kapitalmärkten, richtete Berater Hambüchen den Blick der Teilnehmenden anschließend gezielt auf die betriebsökonomische Tragfähigkeit einer Gründung per Firmenübernahme. Ein wesentlicher Faktor hier: die Wertermittlung für einen fairen Kaufpreis. Sie fokussiere stark auf den künftig erzielbaren Ertrag, wiewohl als Komponenten die Betriebsausstattung, die Alters- und Kompetenzstruktur der Beschäftigten, die Produktpalette sowie die Abhängigkeit von Kunden und von der Person des Inhabers „ebenfalls angemessen mit in die Berechnung einfließen“. Aus der Perspektive der Übergeber dämpfte Berater Hambüchen übertriebene Erwartungen an einen zu erwartenden Verkaufserlös: Der Eigentümerwechsel habe sich zu einem Käufermarkt entwickelt.
Praxisbeispiel: Erfolgreiche Nachfolge
Von seinem Weg in die erfolgreiche Weiterführung eines etablierten Kleinbetriebs in Grevenbroich berichtete abschließend in einem „Business-Talk“ Elektrotechnikermeister Christian vom Dorff. Mitentscheidend für das in seinem Fall gelungene Hineinwachsen in die unternehmerische Perspektive seien starkes Vertrauen und die Bereitschaft auf Inhaberseite gewesen, Kompetenzen abzutreten. Auch ein zwischenzeitliches Studium und die Meisterfortbildung seien ihm von Firmenseite leicht gemacht worden. Moderator André Maaß: „Das war Personalentwicklung vom Feinsten!“ Lob spendete vom Dorff seinerseits für die modulare Organisation der Meisterschule und dem beide Seiten am Tisch zu Kompromissen nicht zuletzt beim Kaufpreis anleitende Wirken der Kammer-Betriebsberatung an seinem Nachfolge-Projekt.