28 Personen stehen in dem Baustellengebäude vor einer großen Glasfassade mit hoher Decke. Eine Kabeltrommel und einige Holzpaletten sind zu sehen.

Zupacken für die ZukunftBaustellenführung EUREF Campus Düsseldorf

„Ohne Handwerk gibt es im Bauen keine Innovationen“ – so prägnant bringt es Jörg Gerle, Standortleiter des EUREF Campus Düsseldorf, auf den Punkt. Der Gebäudekomplex versteht sich als Schaufenster der Energiewende. Am 20. März konnten Interessierte aus dem Handwerk einen Blick hinein und hinter die grüne Fassade werfen.  

Der zweite Bauabschnitt des Bürogebäudes in unmittelbarerer Nähe zum Düsseldorfer Flughafen befindet sich kurz vor der Fertigstellung. Ein idealer Zeitpunkt für ein Besuch, bei dem der Austausch mit denjenigen im Mittepunkt stand, die das Klimakonzept entwickelt und umgesetzt haben.  Die Handwerkskammer Düsseldorf hatte dazu eingeladen und über 30 Interessierte, Handwerker und Handwerkerinnen sowie Personen aus der Fortbildung und Handwerksorganisationen haben die Chance genutzt.

CO2-neutrales Energiekonzept

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Standortleiter Jörg Gerle führte dieser die Gruppe in einen hohen Raum, in dem gerade die Gipskartonwände verkleidet wurden. Der Blick fiel durch die raumhohe Glasfassade auf einen See und den umliegenden Wald. Doch statt romantisch wurde es technisch.

Der See spielt nämlich eine wichtige Rolle im innovativen Energiekonzept. Wie genau, erläuterte Dennis Scharbert von den Stadtwerken Düsseldorf und verantwortlicher Projektleiter. Das Wasser ist der Wärme- bzw. Kälteträger für die Gebäudeklimatisierung, drei große Wärmepumpen werden mit dem Seewasser gespeist. Die Temperierung der Räume erfolgt über eine Betonkernaktivierung. Bei der Konzipierung wurde streng darauf geachtet, dass der See, seine Flora und Fauna keinen Schaden nehmen.

Auch die Stromversorgung erfolgt CO2-neutral wie sich beim nächsten Stopp auf der zukünftigen Dachterrasse einer Mieteinheit zeigte. Von hier hatte man nicht nur einen tollen Blick über die Landeshauptstadt, sondern bekam auch einen Eindruck über die Dimension der zukünftigen PV-Anlage: Es sind drei Anlagen geplant mit 300 kW Peak, die 250.000 Kilowattstunden im Jahr produzieren werden. Das deckt ein Viertel des Strombedarfs des Bürokomplexes mit seinen 65.000 Quadratmeter Gesamtfläche. Eine besondere Herausforderung bestand dabei darin, die Anlagen so zu konzipieren, dass die startenden und landenden Flugzeuge nicht durch Reflektionen geblendet werden. 

Damit das Versprechen, ohne fossile Energieträger auszukommen, eingehalten werden kann, wird der EUREF Campus zusätzlich mit Ökostrom und Fernwärme versorgt. Die ausführenden Haustechniker blieben bescheiden: „Es ist gängige Praxis, nur in sehr groß.“ Die Dimensionen wurden an der nächsten Station sichtbar: dem Fernwärmehausanschluss im Keller. Doch die eigentliche Herausforderung lag vor der Hauswand. Denn damit die Fernwärmeleitung bis zum Haus verlegt werden konnte, musste unter strengen Sicherheitsauflagen auf dem Flugfeld gearbeitet werden.

Der Rundgang endete in den Räumen Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz NRW.Energy4Climate. Sie hatte zum Ausklang in die modernen Büroräume eingeladen. Ein Überblick über aktuelle Förderprogramme für nachhaltige Haustechnik von Philipp Tacer, Klimanetzwerker bei der NRW.Energy4Climate, rundete den informativen Nachmittag ab.

Gebäude mit Anziehungskraft

Wer die Experten während der Führung beobachtete, konnte die Identifikation mit dem Projekt spüren. Sie führt dazu, dass es innerhalb der Umsetzungsphase so gut wie keine Fluktuation gab, mit den entsprechenden positiven Auswirkungen für den Projektverlauf. Viele der Teilnehmenden hatten ebenfalls bereits eine Verbindung zum Gebäude, sei es, weil sie als Raumausstatter Büroräume im Gebäude für eine der Mitparteien einrichten oder weil sie täglich daran vorbeifahren. Alle waren neugierig auf das Gebäude und wollten herausfinden, was es so besonders macht.

Der EUREF Campus beweist, dass CO2-neutrale Klimakonzepte kein Nischenthema mehr sind. Sie sind auch in diesen Dimensionen umsetzbar. Dabei entfalten sie nicht nur eine dringend notwendige Wirkung, um den Klimawandel abzubremsen, sondern auch eine Anziehungskraft, die wirtschaftliche Vorteile bringt.

Weitere Informationen zum Energiekonzept - EUREF-Campus Düsseldorf.

Peter Scharfenberg

Fachreferent Klimaschutz und Energiemanagement

Tel. 0208 82055-86

peter.scharfenberg--at--hwk-duesseldorf.de